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Porsche Cayenne E-Hybrid: Spaßmobil mit Umweltgewissen

Kann Spaß auch vernünftig sein? 462 PS unter der Haube haben und trotzdem umweltfreundlich fahren? Das zumindest will Porsche mit den Hybridmodellen erreichen. Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat das Cayenne E-Hybrid Coupe im Alltag getestet.

“Schwer ist leicht was” hat einmal der berühmte Kabarettist Ottfried Fischer gesagt. Und das trifft auch auf den Cayenne E-Hybrid zu. Mit über 2,4 Tonnen Lebendgewicht schleppt das SUV eine gewaltige Maße mit sich herum. Hybrid kostet eben Gewicht. Ein zusätzlicher Elektro-Motor, der Akku, die Leistungselektronik – das macht den Cayenne mit der Kraft des Doppelherzens um über 300 Kilogramm schwerer als die normale Version. Und das wiederum frisst Energie, wahlweise Strom oder Benzin. Aber das ist ein Paradoxon, das in alle Hybrid-Fahrzeuge eingebaut ist: Man packt mehr Gewicht ins Auto, um dann umweltfreundlicher unterwegs zu sein.

Ob hybrid oder herkömmlich – gemeinsam haben die beiden Cayenne-Modelle den Sechszylinder-Motor. Ein prächtiges Stück Zuffenhausener Motorbaukunst. Ein Triebwerk, dem nicht so schnell die Luft ausgeht: Das maximale und mächtige Drehmoment von 450 Newtonmeter setzt schon bei 1.340 U/min ein und lässt erst 4.000 Umdrehungen später ein wenig nach. Allein diese Maschine wäre schon vergnügungssteuerpflichtig.

Aber beim Hybrid setzt Porsche noch einen drauf. Das ist gelernte Technik vom Supersportwagen 918 Spyder. Die E-Maschine wird dabei als Booster verwendet. Ein elektrischer Turbolader, wenn man so will. Das heißt, er unterstützt den Verbrenner vor allem bei den Leistungsspitzen. Nur so ist es möglich, dass der Hybridsportler sein Gesamt-Drehmoment auf 700 Newtonmeter steigert, in knapp fünf Sekunden von 0 auf 100 rennt. Und das ziemlich zügig. Dabei merkt man das Zusammenwirken von E-Maschine und Verbrenner überhaupt nicht. Die Übergänge sind fließend und ruckelfrei.

Dass sich der E-Motor dem Leistungsprinzip unterordnet, ist der Sportmarke Porsche geschuldet und immer der Fall, wenn man in den Modi “Sport” und “Sport Plus” unterwegs ist. Das heißt, der Verbrenner läuft immer, der E-Motor boostet mit. Man kann auf dem geriffelten Drehknopf am Lenkrad aber noch zwei weitere Fahrprogramme einstellen. In der Stellung “Hybrid Auto” ergänzen sich die beiden Maschinen und laufen je nach Kraftbedarf wechselweise alleine. Im Modus “E”, man ahnt es schon, fährt der Cayenne E-Hybrid auf leisen Sohlen und flüstert elektrisch vor sich hin. Bis zu 37 Kilometer, sagt Porsche. Hängt natürlich ganz von der persönlichen Fahrweise ab.

Der mid hat beim Verbrauchscheck die Variante “Hybrid Auto” einmal genauer unter die Lupe genommen. Nachdem der 14,1 kWh-Akku des Hybrid-Sportlers mühselig an einer herkömmlichen Haushaltsteckdose aufgeladen wurde (es hat knapp zwölf Stunden gedauert, geht an aber an einer modernen Zapfstelle auch in 2,5 Stunden), geht die Fahrt im Cayenne so lange, bis die Batterie leer ist. Das Ziel lautet: Alltagstauglichkeit des Systems und vor allem die Verbräuche zu testen und zu sehen, wie viel Vernunft tatsächlich in diesem Antrieb steckt.

Mit einem verblüffenden und so nicht erwarteten Ergebnis. Erst nach einer Fahrzeit von einer Stunde und 23 Minuten durch die Stadt, und dann flott über Land, geht dem Akku der Saft aus. Dabei werden 65 Kilometer gefahren, der Verbrauch liegt bei 6,9 Litern je 100 Kilometer (und bei der gefahrenen Strecke damit bei tatsächlichen 4,5 Litern). Addieren muss man freilich noch die Stromkosten. Die Kilowattstunde an einer öffentlichen Ladesäule kostet aktuell zwischen 29 und 40 Cent, je nach Vertrag und Anbieter. In Test-Fall wurden so mindestens 3,40 Euro verstromert. Wenn man das wiederum in Benzin umrechnet, landet man alles in allem bei einem um zwei bis drei Liter höheren Verbrauch.

Für so ein schweres Auto mit dieser Leistungsperformance ist das aber kein schlechter Wert. Insofern ist dieser Fahrspaß von den Kosten her schon mal nicht unvernünftig. Auch die getestete hybride Reichweite von 65 Kilometern dürfte dem durchschnittlichen Berufspendler genügen, so dass er unterwegs nicht aufladen muss. Wieder ein Punkt für die Vernunft. Ob so ein Hybridauto zumindest ein Stück weit umweltfreundlich ist, das hängt ganz davon ab, wie der Strom produziert wird. Ist er regenerativ erzeugt – dann darf man fast schon ein beruhigtes Umweltgewissen haben.

Fazit: Wenn schon Luxus-SUV, denn schon Hybrid! Das ist allemal vernünftiger und macht, so wie Porsche die Antriebsstrategie ausgelegt, so richtig Laune. Vernünftig Spaß!

Rudolf Bögel / mid

Technische Daten Porsche Cayenne E-Hybrid Coupe

– Hubraum: 2.995 ccm

– Leistung: 340 PS bei 5.300 – 6400 U/min

– Drehmoment: 450 Nm bei 1.340 – 5.300 U/min

– Leistung E-Maschine: 136 PS

– Drehmoment E-Maschine: 400 Nm

– Elektrische Reichweite (Stadt): 37 km

– Systemleistung: 462 PS

– System-Drehmoment: 700 Nm

– Getriebe: 8-Gang Tiptronic S

– Antrieb: Allrad

– Länge/B/H: 4,93/1,68/2,19 m

– Leergewicht EU-Norm (zul): 2435 kg / 695 kg

– Kofferraum: 500 – 1440 l

– 0 auf 100 (mit Spor-Chrono-Paket): 5,1 Sekunden

– Top-Tempo: 253 km/h

– Kraftstoffverbrauch: 4,0 Liter/100 km

– Stromverbrauch: 23,3 kWh/100 km

– CO2: 91 g/km

– Emissionsklasse: Euro 6d Temp-Evap-Isc

– Preis: ab 95.968 Euro

Neuzulassungen in Deutschland weiter auf Talfahrt

224.558 Personenkraftwagen (Pkw) wurden im Juni 2022 neu zugelassen, das waren nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts -18,1 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die Neuzulassungen für gewerbliche Halter gingen um -21,3 Prozent zurück, ihr Anteil betrug danach 64,3 Prozent, die privaten Neuzulassungen nahmen im Berichtsmonat um -11,6 Prozent ab.

Nach Abschluss des ersten Zulassungshalbjahres wurden insgesamt 1.237.975 Neuwagen zugelassen und damit -11,0 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Unter den deutschen Marken erreichte Mercedes mit +9,5 Prozent eine Zulassungssteigerung. Die weiteren Marken verzeichneten im Vergleich zum Vorjahresmonat Rückgänge, die bei Porsche mit -3,5 Prozent sowie BMW mit -9,8 Prozent am geringsten ausfielen. Die weiteren Markenverzeichneten hingegen zweistellige Rückgänge, die von -10,3 Prozent bei Ford bis -67,0 Prozent bei Smart reichten (Audi: -13,1 %, Opel: -17,7 %, Mini: -22,9 %, VW: -24,0 %). VW war mit 19,4 Prozent die anteilstärkste deutsche Marke.

Unter den Importmarken erreichten im Berichtsmonat Juni insgesamt fünf Marken ein positives Zulassungsergebnis. Für Polestar wies die Statistik mit +58,6 Prozent den deutlichsten Anstieg sowie einen Zulassungsanteil von 0,1 Prozent aus. Für die Importmarken Dacia (+40,3 %), DS (+32,9 %), Alfa Romeo (+18,7 %) und Kia (+0,2 %) waren ebenfalls zum Teil deutliche prozentuale Zulassungssteigerungen zu verzeichnen. Die weiteren Importmarken verbuchten hingegen Zulassungsrückgänge, die bei Suzuki (-67,4 %) und Mazda (-50,4 %) mehr als 50 Prozent ausmachten. Den größten Neuzulassungsanteil erreichte Skoda mit 5,5 Prozent.

32.234 Elektro- (BEV) Neuwagen kamen zur Zulassung und damit -3,5 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Ihr Anteil betrug 14,4 Prozent. Innerhalb der ersten sechs Monate zeigte sich bei dieser Antriebsart ein Anstieg von +12,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Mit einem hybriden Antrieb waren im Juni 65.363 fabrikneue Pkw ausgestattet. Das waren -14,6 Prozent weniger als im Vergleichsmonat. Ihr Anteil betrug 29,1 Prozent. 26.203 dieser Hybride waren den Plug-ins zuzuordnen. Das Zulassungsminus betrug bei dieser Antriebsart -16,3 Prozent, ihr Anteil lag bei 11,7 Prozent. Die Anzahl neu zugelassener Pkw mit Benzinantrieb ging um -23,2 Prozent zurück, ihr Anteil betrug 37,0 Prozent. Der Anteil der dieselbetriebenen Neuwagen betrug nach einem Rückgang von -22,3 Prozent 18,9 Prozent. Mit 1.120 Einheiten wurden +64,2 Prozent mehr Neuwagen mit der Antriebsart Flüssiggas zugelassen, ihr Anteil belief sich auf 0,5 Prozent. Bei den Erdgasfahrzeugen (116 Pkw) gab es hingegen einen Rückgang von -75,2 Prozent, ihr Anteil machte 0,1 Prozent aus.

Quelle: Kraftfahrtbundesamt